Radstreifen in Bonn

Samstag, 29.Juni 2002

Beobachtungen und Fotos bei einem samstäglichen Einkauf

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Bonner Talweg

Solche Schadstellen - die im Foto genau so undeutlich herauskommen wie sie bei zügigem Fahren sichtbar sind - sind vor allem im Herbst und Winter gefährlich, hier sammelt sich der Dreck, hier frieren im Winter die Pfützen fest und bilden Glatteis. Normalerweise würden diese von den Autoreifen schnell "trockengefahren", der Radstreifen bewirkt, daß dies verzögert geschieht, da Kfz einen größeren Abstand zum Fahrbahnrand halten, auch wenn gar kein Radfahrer in der Nähe ist.

Oxfordstraße / Kasernenstraße

Beim Entwurf der Radsymbole hat man offenbar nicht die Sparsamkeit der zukünftigen Anwender bedacht: die Symbole passen in der Breite gar nicht auf die Streifen. Entschädigt wird man hier durch die Vielfalt an Oberflächentexturen: drei Oberflächen und vier Farben auf gerade mal 80 cm!

Oxfordstraße

Der Radstreifen markiert in etwa die Breite, die eine geöffnete Autotüre einnimmt, also die Fläche, die man unter gar keinen Umständen mit dem Rad befahren sollte. Bei diesem Bild ist noch darauf hinzuweisen, daß ein Radfahrer, der sich so eng an den Straßenrand quetscht, wie dieser "Suggestivstreifen" suggeriert, in dieser leichten Rechtskurve durch das parkende Auto auch die Sicht auf den weiteren Straßenverlauf verliert. Wenn hier aus der durch das Auto verdeckten Querstraße ein Auto auf die Fahrbahn vorzieht, oder ein Fußgänger auf den Radstreifen tritt, liegt der Radfahrer auf der Nase - oder dem nachfolgenden Kfz unter den Reifen.

Selbstverständlich kann man auf Höhe des Pkw auf Distanz gehen, den Radstreifen ignorieren und im Kreuzungsbereich die ganze Spur beanspruchen, und jeder erfahrene Radfahrer tut das auch.

Aber was soll dann der Radstreifen, außer
  • Grundlos Streit mit Kfzbenutzern provozieren,
  • unerfahrene Radfahrer zum gefährlichen Kleben am Straßenrand zu verleiten?
Die "Autospur" ist gerade eben mal so breit wie ein normaler Pkw, die Radspur in Wirklichkeit ein halber Parkstreifen für den Ladeverkehr, wie man der hier abgebildeten Beschilderung entnehmen kann. Zu anderen Zeiten stellt der Radstreifen an dieser Stelle lediglich eine Aufforderung zum Überholen mit unzureichendem Seitenabstand dar.
Radspuren machen Radfahrer unsichtbar. Die "eigene Spur" ist ja frei.
Hier sieht man ganz gut die Verteilung des Straßenraums. Hand aufs Herz: möchten Sie hier rechts neben dem vorausfahrenden Pkw radfahren oder mit diesem Seitenabstand überholt werden? Wer als Radfahrer bei Verstand ist, fährt etwas links von der Markierung - etwa dort, wo beim vorausfahrenden Pkw die rechten Reifen sind, beansprucht die kombinierte Spur also ganz.
Die Versuchung, sich hier rechts durchzuschlängeln ist groß. Aber Vorsicht: da drohenAusfahrten!

Der Profi überholt natürlich wie üblich, also links - die linke Spur ist hier übrigens komplett frei.

Hinter diesem Plakatständer könnte ein Kind auf die Fahrbahn laufen. Auch wegen solcher Sichthindernisse ist es empfehlenswert, in etwa dort zu fahren, wo dieser Pkw fährt. Es verschafft die nötigen Sekundenbruchteile zum Ausweichen, aufgrund der größeren Distanz zum Fahrbahnrand, mehr noch aber wegen der besseren Sichtlinie: man kann früher hinter das Sichthindernis schauen.
Mit den richtigen Reifen kann man hier durchaus eine Stecklandung produzieren.  Der Radstreifen markiert auch hier einen Bereich der Fahrbahn, den man besser nicht befahren sollte, weil man nie weiß, wo sich ein Loch auftut - und schon gar nicht mit einem Fahrrad.

Bertha-von-Suttner-Platz

Man ist versucht zu sagen: nett gemalt - aber wo ist der Sinn?

Dies sieht alles recht aufgeräumt auf. Wer erkennt hier auf Anhieb den Fehler?
Angenommen, diese Radfahrerin braucht wirklich all diese bunte Farbe und all diese Pictogramme auf der Fahrbahn. Darf man dann wirklich davon ausgehen, daß ihr bewußt ist, daß sie als Geradeausfahrer im weiteren Verlauf mit schnellen Rechtsabbiegern von beiden Seiten rechnen muß?
Wie ordnet man sich hier ein, wenn man geradeaus fahren will? Wenn man rechts abbiegen will?
Der Kardinalfehler aller Radwege und -spuren: Sortierung des Verkehrs nach Art des Antriebs, statt nach gewünschter Fahrtrichtung.

Kaiserplatz, Richtung Uni

Hmm ... der Parkstreifen scheint ein wenig schmal zu sein - ob das evtl. auch ein Radstreifen ist?

Sollte man dann vielleicht einen freundlichen Polizisten bitten, dafür zu sorgen, daß dieser schwarze Pkw an einer anderen Stelle legal geparkt wird?

Oops.
Hallo Partner, danke schön! Mein spezieller Dank an die Bonner Polizei für die regelmäßige Demonstration, daß Radstreifen vor allem zu einem dienen: als Reserverflächen für den ruhenden Verkehr. Nein, ich meine das überhaupt nicht ironisch.

Jeder erfahrene Radfahrer weiß, was diese Bilderserie nur sehr unzureichend dokumentiert: daß Radwege in allen ihren Abarten, also auch in der Form der neuerdings bei den Planern so beliebten Radstreifen das Radfahren umständlicher und oft auch gefährlich machen, letzteres vor allem für die jungen und die unerfahrenen Radfahrer.  Da freut es schon, wenn man bisweilen bemerkt, daß sie auch von offizieller Seite zumindest für überflüssig gehalten werden.

Prinz-Albert-Straße / Poppelsdorfer Allee

Durch Radstreifen vergrößert sich der durchschnittliche Abstand des Kfzverkehrs vom Straßenrand, weil Autofahrer nach Möglichkeit vermeiden, auf Radstreifen zu fahren, auch dann, wenn gar kein Radfahrer in der Nähe ist.

Glasscherben, die normalerweise von den Autoreifen in wenigen Stunden zu einem ungefährlichen Staub zerrieben und an den Straßenrand geschleudert werden, bleiben deswegen auf Radstreifen länger liegen, oft wochenlang.

Aber hier lieber nicht auf die Glasscherben achten, denn:

Steht da nun ein Auto hinter dem Plakatständer oder nicht? Na? (Nein, ich kann's auch nicht sehen).

Der Radfahrer weiter vorn demonstriert, wo man vernünftigerweise fährt: da, wo der Radstreifen aufhört. Der Radstreifen markiert auch hier den unbenutzbaren, gefährlichen Teil der Fahrbahn.

Im übrigen ist die Fahrbahn zur Mitte hin auch besser. Im Bild kommt das Loch, das hier von Lkw- und Busreifen gegraben wurde, leider nicht so gut heraus.
Das Flickwerk bröckelt.
Wer denkt sich solche Verkehrsführungen aus? :-(

Dies ist der Gegenschuß zu Bild Nummer 19, man sieht hier den Plakatständer von der anderen Seite. Wie unsinnig die Radstreifenführung ist, kann man nur richtig nachfühlen, wenn man selber da langfährt. Wenn man aus der Unterführung kommt (dort, wo das rote Auto hinfährt), wird man im weiten Bogen am Straßenrand langgeführt, bis zur Stelle, an der ich hier stehe (und wo es genau so "abwegig" weitergeht). Kein vernünftiger Mensch fährt so, man fährt natürlich da lang, wo die Schienen verlaufen, rechts neben der rechten Schiene.

© 2002 Wolfgang Strobl, alle Rechte vorbehalten. Nachdruck mit Belegexemplar gestattet


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