Bremsweg Pkw vs. Bremsweg Rad

From: Wolfgang.Strobl@gmd.de (Wolfgang Strobl)
Newsgroups: de.rec.fahrrad
Subject: Re: Geschwindigkeitsuebertretung - rad2pkw.gif (1/1)
Date: Mon, 10 Jul 1995 23:26:17 GMT
  

rmm@maths.warwick.ac.uk (Rolf Mantel) wrote:

   >Hier muessen wir unterscheiden: Labor und Alltagssituation.

[...]

>2.) Alltag:
>Radler sitzt hoeher (ausser Liegerad), sieht deshalb Situation viel
>fureher. Radler sitzt nicht 2m hinter der Stosstange, sondern nur ein
>paar cm. Dadurch ist die Reaktionszeit des Radlers kuerzer, und hinter
>einem Auto herfahren ist bei 50km/h nicht wesentlich gefaehrlicher als
>bei langsameren Geschwindigkeiten.
  

Stimmt, aber die höhere Sitzposition ist schlecht quantifizierbar, außerdem dürfte das beim Rennrad wieder wegfallen. Auf der anderen Seite fehlt noch ein Effekt, der bei solchen Geschwindigkeiten durchaus eine Rolle spielt: wenn beim Rennrad die vom Haftreibungskoeffizient vorgegebenen etwa 9 m/s² nicht erreicht werden können, weil dann schon das Hinterrad abhebt, so hat das zwar eine geringere Verzögerung zur Folge. Aber: beim Anheben von Rad plus Fahrer wird auch eine ganz schöne Menge Energie aufgenommen. Ich hab' das vor ziemlich genau einem Jahr mal durchzukalkulieren versucht. Die Hauptarbeit bestand darin, zu ermitteln, wie viel Energie so in Hebearbeit umgewandelt wird, wenn sich das Rad gerade noch nicht überschlägt. Überprüft habe ich es, in dem ich aus den errechneten 12 km/h heraus eine Blockierbremsung gemacht habe. Und tatsächlich ist das Rad gerade so eben wieder nach hinten zurückgefallen. Das gibt einem doch ein ganz neues Vertrauen in die Physik! :)

Schließlich habe ich eine sehr konservative Rechnung angestellt, in der ich die diversen Sachverhalte (den ca. 2 m ausmachenden Vorsprung gegenüber dem Auto, den gerade beschriebenen Effekt, die schlechtere Verzögerung beim Rennrad, und die gerne zitierten schlechten 4 m/s² für's Hollandrad, etwa: Winkler/Rauch - mein Hollandrad ist besser) zusammengefasst habe. Ich hoffe, die nachfolgende Tabelle übersteht den Export aus Excel; die zugehörige Graphik habe ich als Attachment beigefügt.

Bremsweg vs. Geschwindigkeit

Wie man sieht, gibt es zwei Schnittpunkte, bei etwa 17 km/h und bei 30 km/h. Bis 17 km/h haben beide Räder einen kürzeren Bremsweg als das Auto, zwischen 17 km/h und 30 km/h ist das Rennrad besser und das Hollandrad schlechter als das Auto, und erst ab 30 km/h ist das Auto besser als das Rennrad - wobei der Unterschied auch bei 40 km/h noch nicht sonderlich bemerkenswert ist und jedenfalls erheblich geringer ausfällt als (relativ gesehen) der Abstand bei 10 km/h. Das gilt allerdings nur für's Rennrad.

Wohlgemerkt: die Rechnung passt nur auf eine sorgfältige Vollbremsung auf gerader, glatter Strecke und auf Asphalt. Auf Radwegen, wo man praktisch immer schlechten Untergrund hat UND eine Kurve fährt, sind die Bremswege deswegen erheblich länger. Auch deswegen ist das Fahren auf der Straße sicherer.

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Gesamtbremsweg Auto vs. Rad

(Rennrad mit, Hollandrad ohne "Überschlag")

Reaktionszeit	0,5	s
Verzögerung	9	4	6	m/s²
m/s	km/h	Auto	Rad	Rennrad
1,39	5	2,80	1,44	0,92 m
2,78	10	3,82	2,85	2,10
4,17	15	5,05	4,75	3,60
5,56	20	6,49	7,14	5,42
6,94	25	8,15	10,00	7,56
8,33	30	10,02	13,35	10,02
9,72	35	12,11	17,18	12,81
11,11	40	14,41	21,49	15,91
12,50	45	16,93	26,28	19,34
13,89	50	19,66	31,56	23,09
15,28	55	22,61	37,32	27,16
16,67	60	25,77	43,56	31,55
18,06	65	29,14	50,28	36,26
19,44	70	32,73	57,48	41,30
20,83	75	36,53	65,17	46,65

Alle Zahlen ohne Gewähr
  
   
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