Wolfgang Strobl, Bonn, 28.11.1997

An den
Generalanzeiger, Justus-von-Liebig-Straße 15
Bonn

Leserbrief zu Ihrem Artikel "Ahorn für die Reuterstraße"(letzte Woche) sowie dem heutigen Artikel zur Argelanderstraße, sowie
Offener Brief an die Rathausparteien und die Stadt Bonn

Sehr geehrte Damen und Herren,

nun ist es passiert. Was Stadt und CDU in vierzig Jahren kommunaler Alleinherrschaft aus gutem Grunde nicht mal erwogen haben, bewerkstelligte die rot/grüne Koalition in zwei knappen Jahren, ohne daß sich merklicher Protest regte: für Radfahrer ist das Befahren der Reuterstraße ab sofort verboten, sie müssen auf dem Bürgersteig fahren.

Zwar habe ich schon auf der Bürgerversammlung, auf der die Planung vorgelegt wurde, als radfahrender Anlieger gegen den Plan eines separaten Radwegs protestiert, für den der Platz hinten und vorne nicht reicht. Daß es aber so schlimm kommt, daß man die Radfahrer kurzerhand zu den Fußgängern verbannt, damit habe ich nicht gerechnet.

Dieser Bürgersteig ist, wie man an Ihrem links reproduzierten Bild deutlich sieht, heute nicht viel breiter als vor dem Umbau, sondern lediglich durch einen noch zu bepflanzenden 80cm-Streifen von der Straße abgetrennt. Selbst für Fußgänger alleine ist der begehbare Teil schon recht knapp, besonders aber, wenn dieselbe Fläche auch noch als Abstellfläche für ein ständig zunehmendes Sortiment an grauen, grünen, blauen und gelben Tonnen dienen muß.

Wenn jetzt auch noch Radfahrer um diese Hindernisse herumkurven müssen, hat man den bei anderen Gelegenheiten oft bemängelten "Radfahrerrüpel" regelrecht herbeigebaut. Um zu illustrieren, wie eng es selbst an der von Ihnen abgebildeten Stelle wird, die durchaus nicht zu den schmalsten Stellen zählt, wenn man sich den vergessenen Radverkehr hinzudenkt, habe ich per Computer eine Radfahrerin größenmäßig richtig in das Bild hineinmontiert.

©1997 Generalanzeiger für Bonn und Umgebung)

Das kann doch nicht das Ziel der neuen Verkehrspolitik sein: Radfahrer und Fußgänger auf viel zu engem Raum zusammenzupferchen, bloß damit endlich die Straße alleine den Kfz vorbehalten ist.

Aus dem Blickwinkel der Verkehrssicherheit ist übrigens anzumerken, daß die Bauweise von Radwegen, die Radfahrer unter Sichtschutz fahren läßt und sie aus der direkten Sicht des Kfzverkehrs herausnimmt, inzwischen von der Verkehrswissenschaft als ausgesprochen gefährlich erkannt und deswegen nicht mehr empfohlen wird, weil dem unbestritten sichereren Gefühl "weiter weg vom Kfzverkehr" ein reales zusätzliches Risiko an den Kreuzungen und Einfahrten gegenübersteht, das sich dann durchaus in der Unfallstatistik wiederfindet.

Mit der dieses Jahr geänderten Straßenverkehrsordnung gibt es auch eine neue Verwaltungsvorschrift, in der erstmals Mindestbreiten für Radwege festgelegt sind; die zuständigen Behörden sind angewiesen, bestehende Radwege Zug um Zug zu überprüfen und ungenügende Radwege ggf. aufzuheben.

Der abgebildete Radweg entlang der Reuterstraße genügt nicht mal diesen Mindestanforderungen und ist daher unzulässig.

Es wäre bedauerlich und dem gewünschten radfahrerfreundlichen Image der Stadt recht abträglich, müsste erst ein erboster Fußgänger oder Radfahrer auf dem Widerspruchswege erreichen, daß dieser neue Radweg aufgrund seiner Mängel wieder aufgehoben wird - von der in Ihrem Artikel angedeuteten rheinischen Lösung (anliefernde Anlieger parken kurzerhand die Auffahrten zu den Radwegen zu) ganz zu schweigen.

Zum Glück weist die neue StVO hier aber einen Ausweg: es ist nach der neuen StVO zulässig und ohne weiteren Umbau möglich, diesen Radweg (der eigentlich ein Bürgersteig ist), als "Gehweg, Radfahrer frei" auszuschildern, bzw. ihn durch Demontage der Radwegeschilder in den separat geführte Teilen in einen nicht benutzungspflichtigen Radweg umzuwandeln. Dies wäre m.E. ein Kompromiß, mit dem allen Beteiligten am besten gedient wäre, deshalb sollte man ihn in die Tat umsetzen, bevor man sich mit zusammengebissenen Zähnen an die jetzige schlechte Lösung gewöhnt.

Mit freundlichen Grüßen

(Strobl)


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