Rad
weg

1997

1999

2000


©
Generalanzeiger Bonn

Der Reuterstraßenradweg in Bonn


Dokumentation einer Provinzposse 
in mehreren Akten

From: Wolfgang Strobl <Wolfgang.Strobl@gmd.de>
Newsgroups: de.rec.fahrrad,de.soc.recht.misc
Subject: Re: Radwegschilder idR Verstoss gegen StVO-VwV
Date: Thu, 27 Jan 2000 22:03:06 +0100
Message-ID: <sa819s0gs6l2ajvpvh2b4nlm2hqcdq5c7j@4ax.com>

[Kopien dieses Postings in die Usenet-Newsgoup de.rec.fahrrad gingen an die
Leserbriefredaktion des Bonner Generalanzeiger, an den CDU-KV Bonn,
sowie an Frau Kappel von den Bonner Grünen, denen ich diesen (aber nicht
nur diesen) Radweg ganz besonders übel nehme, und BCC an eine
ADFC-Mailingliste]

e.bock@gmx.de (Elke Bock) wrote:

>Am Thu, 27 Jan 2000 16:49:12 +0100 schrieb "Christian E.
>Naundorf" <cnaundorf@t-online.de>:

>>es _gibt_ Strecken, wo ich hundertmal das Recht dazu
>>haben mag, auf der Fahrbahn zu fahren und es trotzdem,
>>gebeugt von der Macht des Faktischen, nicht tue.

>Was sind die Kriterien für so eine Straße?

>(Nein, ich kenne die Bonner Straßen nicht)

Aber ich. Und ich versichere Dir aus langjähriger Erfahrung mit diesem
Thema (die sich auch in dieser Diskussion mal wieder bestätigt hat), daß
die Radwege an den Straßen, die Dir auf so eine Frage als Beispiel
genannt werden (für Straßen also, die eines Radweges unbedingt
bedürften), dann zielstrebig mit derart minderwertigen Radwegen
ausgerüstet wurden, daß man deren Benutzung eigentlich niemandem zumuten
sollte, nicht mal einem Vierjährigen auf dem Dreirädchen. 

Das bislang übelste Beispiel, das peinlicherweise mit Duldung des ADFC
während der rot/grünen Episode im Stadtrat gebaut wurde, liegt direkt
vor meiner Haustür. Die Vorgeschichte kann man in 

<http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/ansichten.htm

"Ansichten eines Radweges" nachlesen. Gegen diesen Radweg hatte ich
schon als geladener Anlieger auf der Bürgerversammlung protestiert,
sowie durch Briefe an die Parteien, einen Widerspruch an die Verwaltung
und einen Leserbrief an die Lokalzeitung, den Bonner Generalanzeiger

http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/lbrief.htm

Genützt hat es nicht. Herr Heidemann von der Bonner SPD versicherte mir
schriftlich, daß er den Radweg weiterhin gut fände (nun ja, viel Rad
fährt er nicht), Herr Finger von den Grünen versicherte mir telefonisch,
man habe diesem Radweg nur zugestimmt, damit es für die Anlieger
billiger würde (gute Ausrede, muß man sich wohl merken), und brach das
Gespräch abrupt ab, als ich ihm darlegte, daß und warum ich _weder_
einen Hochbordradweg _noch_ einen Radstreifen gutheiße, von der CDU
erhielt ich eine Eingangsbestätigung. Das war's, dann wurde gebaut,
gepflanzt und gepollert, daß es nur so eine Lust war.


Die in dem Leserbrief geäußerte Vermutung, hier könne das Zuparken des
Radweges nur verhindert werden, indem es für Radfahrer noch gefährlicher
gemacht würde, hat ins Schwarze getroffen, man hat ihn zuwachsen lassen
und flächendeckend mit Pfosten zugestellt, wie auf

<http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/inzwischen1.htm

dokumentiert ist.

Auch meine 1997 geäußerte und dokumentierte Vermutung, daß dieser
"Radweg" in Zukunft als Kurzzeitparkplatz für Lkwverkehr mißbraucht 
werden würde, hat ins Schwarze getroffen.

Heute morgen las ich beim Frühstückin meiner Zeitung, 

Gefährliche und störende Poller sollen weg

CDU, FDP und Bürger Bund votierten für die Beseitigung der Gefahrenstelle - Das Ordnungsamt prüft jetzt, ob Lastwagen auf dem Radweg halten dürfen

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/2000/01/26/2000_01_26_02.html

daß die Poller alle wieder entfernt werden sollen. weil sie "eine große
Gefahr für Fußgänger und Radfahrer" darstellen. So wörtlich Frau Mauch
von der FDP in einem gemeinsamen Antrag mit der CDU.

Liest man weiter, wird der eigentliche Grund für die angestrebte
Änderung deutlich: einige anliegende Geschäfte, eine Bäckerei und ein
Buchhändler haben sich beschwert und sind bei Politik und Verwaltung
vorstellig geworden.

Wirkt die Einlassung des Buchhändlers, es käme seiner Beobachtung nach
öfters zu Staus, weil die Autos bei gelegentlichen Fahrten von
Einsatzfahrzeugen, die zu den Krankenhäusern bzw. Kliniken in der Nähe
fahren, wegen der Poller nicht auf den Bürgersteig resp. Radweg
ausweichen könnten, noch eher bizarr, so ist das Argument des Bäckers,
seine Lieferlastwagen könnten nicht mehr vor seinem Geschäft halten (auf
dem Radweg also), durchaus nachvollziehbar.


Nun fragt man sich aber, was man davon halten soll, wenn man weiß, daß
diese Straße auch ein Schulweg für eine in der Nähe befindliche
Grundschule ist, und daß bei der Planung dieses "Radweges" vor allem
die Kinder vorgeschoben wurden, um die Radfahrer dann generell auf
den Fußweg zu verbannen, auch erwachsene Radfahrer wie mich, der ich mit
Fahrzeugen aller Art, vom Fahrrad über Motorrad bis Pkw seit 'zig Jahren
unfallfrei fahre. 

Vor allem unerfahrene Radfahrer, vor allem Kinder werden auf
unübersichtlichen Radwegen übersehen und überfahren, auch auf solchen,
die die erheblich übersichtlicher scheinen als der völlig zugebaute
Radweg in der Reuterstraße. So ist es beispielsweise nur wenige Monate
her, daß in Beuel ein 14jähriger Schüler auf einem Radweg von einem
abbiegenden Lkw überfahren und schwer verletzt wurde. Man schaue sich
die Stelle auf <http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/rwbilder/> an, und
vergleiche das z.B. mit 
<http://www.mystrobl.de/ws/fahrrad/rwbilder/rwarg16a.jpg>.

Wenn, wie es in dem Artikel hervorgehoben wird, auf diesem
unübersichtlichen Fußweg sogar Jogger zu Schaden kommen, weil sie im
Dunkeln gegen einen Pfosten gelaufen sind, wenn geplant ist, Autofahrern
zu ermöglichen, regelmäßig vor Einsatzfahren auf den Radweg
auszuweichen, wenn der Radweg zum Parkstreifen für Lkw umfunktioniert
werden soll, so sollte man doch endlich Nägel mit Köpfen machen und das
tun, was ich schon seinerzeit in meinen o.a. Schreiben an die
Verantwortlichen für dieses Desaster gefordert und ausführlich begründet
habe: 

Man möge Radfahrern endlich freistellen, ob sie sich in diese Gefahr
begeben möchten und ihnen die Wahl lassen, ob sie auf der Fahrbahn fahren
oder auf diesem Fußweg. Da dieser Radweg nach der neuen VwV zur StVO
ohnehin die Mindestanforderungen für einen Radweg auch formal nie
erfüllt hat, besteht die rechtliche Grundlage dafür ohnehin schon längst..

Die Benutzungspflicht dieses Radweges war und ist ein Skandal, sie gehört umgehend abgeschafft.

Wie auch an anderen Stellen in Bonn ist dies durch Beschilderung "Fußweg" mit Zusatzschild "Radfahrer frei" einfach und kostengünstig zu realisieren.

-- 
      o      (    Wolfgang.Strobl@gmd.de          (+49 2241) 14-2394
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