Besser mit Licht

Mit Licht fährt man besser

Angesichts der häufigen Klagen über Radfahrer, die bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs sind, haben einzelne Mitglieder von Vorstand und Ortsgruppen des ADFC Bonn Rhein/Sieg in der Woche vom 8.-16.12.1994 eine Woche lang "Lichtmuffel" gezählt, d.h. bei Nachtfahrten notiert, wie viele von den Radfahrern, denen sie begegneten, mit Licht, wie viele mit nur teilweiser Beleuchtung und wie viele ganz ohne Beleuchtung unterwegs waren.

Die insgesamt 1349 gezählten Radfahrer verteilten sich wie folgt:

mit Licht

halbes Licht

kein Licht

858

253

238

63,6 %

18,8 %

17,6 %

Dies ist kein sonderlich erfreuliches Ergebnis, fuhren doch immerhin weit mehr als ein Drittel aller gezählten Radfahrer ohne eine vollständige Beleuchtung.

Andererseits kann man vermuten, daß ein erheblicher Teil dieser Radfahrer dies offenbar unfreiwillig tut - denn auch für eine halbe Beleuchtung muß immerhin der Dynamo funktionieren und eingeschaltet sein. Da wahrscheinlich auch von den gänzlich unbeleuchteten Rädern ein gewisser Anteil aufgrund eines technischen Defekts der Beleuchtungsanlage unbeleuchtet ist, dürfte sich die recht unbefriedigende Beleuchtungssituation insgesamt eher auf technische Mängel und weniger auf bewußtes oder fahrlässiges Nichtbenutzen der Beleuchtung zurückzuführen lassen. Deshalb sollte man hier ansetzen.

Leider läßt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) in ihrer jetzigen Fassung kaum Spielraum dafür, die Fahrradbeleuchtung wirksamer und weniger fehleranfällig zu machen; genauer betrachtet schreibt sie durch bauartliche Vorgaben sogar eine gewisse mangelhafte Wirksamkeit und Fehleranfälligkeit fest.

Möglicherweise leistet sie auch durch ein Übermaß an zwingend vorgeschriebener passiver Beleuchtung der Meinung Vorschub, man käme auf dem Fahrrad ohne aktive Beleuchtung zurecht, die Rundumbehängung mit Reflektoren (immerhin fünfzehn separate Reflektoren!) würde es zusammen mit der aktiven Beleuchtung der motorisierten Fahrzeuge schon richten.

Dieser Glaube ist unzutreffend und zudem gefährlich. Es sollte einleuchten, daß schon zwei auf diese Weise unbeleuchtete Radfahrer auf üble Weise in der Dunkelheit zusammenstoßen können. Darüber hinaus nützen die Reflektoren praktisch nur dem stehenden Radfahrer - aber das kann eine Standlichtanlage auch, und besser. Zur frühzeitigen Erkennbarkeit beim Fahren, auch außerhalb des recht engumgrenzten Lichtkegels von Autoscheinwerfern gibt es zum nach §67 StVZO vorgeschriebenen Frontscheinwerfer und dem Rücklicht keine Alternative. Leistungsfähigere Scheinwerfer, wie sie inzwischen in zahllosen Varianten hauptsächlich für den Gebrauch in den USA hergestellt und von dort importiert werden, sind in Deutschland aber leider nicht zulässig.

Problemlos nachrüstbar und von der StVZO mit keiner Einschränkung versehen sind hingegen Akkuanlagen, die während der Fahrt oder auch im Stand für Beleuchtung sorgen. Da die meisten der mit Prüfzeichen versehenen Dynamos bei Nässe, Verschmutzung oder Schneematsch regelmäßig versagen, ist es anzuraten, das Fahrrad gleich von vorneherein mit einem Akku auszurüsten, wenn man bei schlechtem Wetter nicht ohne Licht dastehen will. Es ist aber leider nicht zulässig, dann den unzuverlässigen Dynamo aus Platz- oder Gewichtsgründen wegzulassen.

Versagende Rücklichter waren bislang hauptsächlich auf durchgeschüttelte Birnchen, korrodierte Kontakte im Rücklicht und auf kurzzeitige, oft unbemerkte Wackelkontakte im Frontlichtstromkreis zurückzuführen (letzteres läßt das Rücklicht durchbrennen). Diesem kann man durch eine saubere Masseverkabelung begegnen (etwas für Bastler), oder seit einiger Zeit durch die Verwendung eines zugelassenen LED-Rücklichtes.

Meine Empfehlung für eine alltagstaugliche zugelassene Beleuchtungsanlage:

sowie sorgfältig verlegte Kabel. Damit müßte man auch im Rahmen der StVZO zuverlässig zu den obigen 65 % gehören können, die mit Licht fahren.

Wolfgang Strobl

© 1995, 1999 Wolfgang Strobl, alle Rechte vorbehalten.
Abdruck mit Quellenangabe und Belegexemplar gestattet. Dieser Artikel war '95 für die Zeitschrift Rückenwind des ADFC Bonn/Rhein-Sieg bestellt und geschrieben, aber nicht abgedruckt worden.


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